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Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP): Was er bringt, was er kostet, wie BAFA ihn fördert

Der iSFP ist die zentrale Grundlage für jede strukturierte Sanierung in den nächsten 15 Jahren – und gleichzeitig der Schlüssel zu einem 5-%-Bonus auf die meisten BAFA-Förderprogramme.

Was ist ein iSFP überhaupt?

Der individuelle Sanierungsfahrplan – kurz iSFP – ist eine umfassende Energieberatung für ein konkretes Wohngebäude. Er wird auf Grundlage einer Vor-Ort-Begehung erstellt und enthält am Ende ein in sich schlüssiges Maßnahmenpaket: Welche Sanierungsschritte ergeben energetisch Sinn, in welcher Reihenfolge sind sie sinnvoll, was kosten sie ungefähr und wie wirken sie sich auf den Energiebedarf des Gebäudes aus?

Der iSFP folgt einem standardisierten Format der Deutschen Energie-Agentur (dena). Sie erhalten am Ende kein 80-Seiten-Gutachten, sondern ein verständlich aufbereitetes Dokument mit klaren Schaubildern – konzipiert für Sie als Eigentümerin oder Eigentümer, nicht für Fachkollegen.

Wer darf einen iSFP erstellen?

Einen iSFP darf ausschließlich erstellen, wer in der Energieeffizienz-Expertenliste der dena für das Programm BAFA Energieberatung für Wohngebäude (EBW) eingetragen ist. Diese Eintragung ist Pflicht – ohne sie gibt es keine BAFA-Förderung und keinen iSFP-Bonus.

Die Liste ist öffentlich unter energie-effizienz-experten.de einsehbar. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass Ihr Berater nicht gleichzeitig Heizungen, Dämmstoffe oder PV-Anlagen verkauft – dann ist die Empfehlung am Ende wahrscheinlich unabhängig.

Was die BAFA dazu zahlt

Die BAFA fördert die iSFP-Beratung im Programm „Energieberatung für Wohngebäude" mit 50 % der förderfähigen Beratungskosten. Es gelten folgende Höchstbeträge:

GebäudetypMax. ZuschussFörderquote
Ein- oder Zweifamilienhaus650 €50 %
Mehrfamilienhaus (ab 3 WE)850 €50 %

Hinzu kommt: Erläutert die Beraterin oder der Berater das Ergebnis zusätzlich in einer Eigentümer- oder Beiratsversammlung, übernimmt die BAFA dafür einmalig bis zu 500 € extra.

Rechenbeispiel Einfamilienhaus

Honorar für den iSFP: 1.800 € brutto. BAFA-Zuschuss: 50 % der Beratungskosten, jedoch gedeckelt bei 650 €. Sie zahlen also rund 1.150 € aus eigener Tasche – für ein Dokument, das Ihre Förderfähigkeit in den nächsten 15 Jahren steuert und den iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten auf spätere Sanierungsmaßnahmen freischaltet.

Der 5-%-Bonus: Der eigentliche Hebel

Der iSFP entfaltet seinen vollen Wert nicht durch die geförderte Beratung – sondern durch das, was danach passiert. Sobald Sie auf Basis eines iSFP eine im Plan empfohlene Sanierungsmaßnahme an der Gebäudehülle umsetzen (Dach, Fassade, Fenster, Bodenplatte, Lüftung), erhöht sich die BAFA-Förderquote für diese Maßnahme um 5 Prozentpunkte.

Konkret: Statt der üblichen 15 % erhalten Sie 20 % Zuschuss auf die förderfähigen Kosten. Bei einer Fassadendämmung über 40.000 € sind das 2.000 € zusätzliche Förderung – nur weil ein iSFP vorliegt.

Außerdem verdoppelt der iSFP in vielen Konstellationen die jährliche Höchstgrenze der förderfähigen Kosten von 30.000 € auf 60.000 € pro Wohneinheit und Jahr. Für größere Sanierungen ist das oft der entscheidende Faktor.

Wie ein iSFP entsteht – die fünf Schritte

  1. Bestandsaufnahme vor Ort: 60–120 Minuten Begehung mit Dokumentation von Heizung, Hülle, Fenstern, Lüftung und Verbrauchsdaten der letzten Jahre.
  2. Schwachstellenanalyse: Energetische Bewertung des Ist-Zustands – U-Werte, Heizenergiebedarf, Verluste pro Bauteil.
  3. Maßnahmenpakete entwickeln: Mindestens zwei sinnvolle Sanierungsvarianten, abgestimmt auf Budget, Restnutzungsdauer und Ihre Lebenssituation.
  4. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Investitionskosten, Energieeinsparung, Förderung und voraussichtliche Amortisation – auch im Vergleich.
  5. Übergabe: Persönliches Gespräch, in dem der Plan Schritt für Schritt erklärt wird. Sie bekommen den iSFP digital und als gebundenes Heft.

Wie lange dauert ein iSFP?

Vom Erstkontakt bis zum fertigen Plan rechnen Sie realistisch mit 4 bis 8 Wochen. Der Großteil davon ist Auswertung und Berechnung – nicht Termindichte. Bei besonderer Dringlichkeit (laufender Heizungstausch, Verkaufsvorbereitung) lässt sich der Prozess auch in 2 bis 3 Wochen abschließen, wenn alle Unterlagen vorliegen.

Wann sich ein iSFP wirklich lohnt

Ein iSFP rentiert sich praktisch immer, wenn mindestens eine dieser drei Bedingungen erfüllt ist:

Weniger sinnvoll ist ein iSFP, wenn das Gebäude bereits saniert ist und keine relevanten Maßnahmen mehr anstehen – oder wenn Sie ohnehin nur eine einzelne, klar umrissene Maßnahme (zum Beispiel den Heizungstausch ohne Hüllenarbeit) planen.

Förder-Zahlen kompakt

iSFP-Förderung der BAFA

  • 50 % der förderfähigen Beratungskosten
  • Max. 650 € bei Ein-/Zweifamilienhaus
  • Max. 850 € bei Mehrfamilienhaus ab 3 Wohneinheiten
  • + bis zu 500 € für Vorstellung in Beirats-/Eigentümerversammlung
  • +5 Prozentpunkte auf spätere BAFA-Hüllenmaßnahmen

Stand Anfang 2026. Förderhöhen können sich ändern – bitte vor Antragstellung Aktuelles auf bafa.de prüfen.

Was ich Ihnen rate

Wenn Sie ohnehin innerhalb der nächsten Jahre etwas an Ihrem Haus machen wollen oder müssen, ist der iSFP die mit Abstand günstigste strategische Vorabinvestition. 1.000 € bis 1.500 € Eigenanteil für ein Dokument, das über 15 Jahre Ihre Förderfähigkeit steuert – und durch den +5-Prozentpunkte-Bonus auf spätere Sanierungsmaßnahmen sich oft schon bei der ersten Hüllenmaßnahme rechnet.

Was Sie tun sollten: einen unabhängigen, dena-gelisteten Energieberater suchen, der nichts mitverkauft. Den Plan auf zwei bis drei realistische Sanierungsvarianten ausrichten lassen. Und ihn dann konsequent als Referenzdokument für Förderanträge, Handwerkergespräche und ETV-Beschlüsse nutzen.

Jochen Prinz

Autor

Jochen Prinz

DGNB-Auditor, dena-gelisteter Energieeffizienz-Experte, BAFA- und KfW-anerkannter Energieberater für Wohngebäude. Sitz in Monheim am Rhein, aktiv in NRW. 20+ Jahre Erfahrung als Investor und Unternehmer in der Immobilienbranche.

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